BaFin ruft Marktteilnehmer zu Beteiligung an Erhebung des „T+1 Industry Committee“ auf
Das „EU T+1 Industry Committee“ ist ein branchenübergreifendes Gremium in der EU. Es hat die Aufgabe, die Verkürzung der Abwicklung für Wertpapiergeschäfte auf einen Geschäftstag – auch Umstellung von T+2 auf T+1 genannt – zu begleiten und zu koordinieren (dazu unten mehr).
Trade und Settlement
- Trade (Handel): Ist das Geschäft, das unmittelbar an der Börse ausgeführt führt.
- Settlement (Abwicklung): Nach dem Handel liefern Banken und Verwahrstellen das Geld und die Wertpapiere untereinander aus. Aktuell dauert diese in der EU noch zwei Geschäftstage, also T+2.
Abwicklung wird beschleunigt – Handel bleibt gleich
Ein Beispiel: Der Kauf – die schlechte Nachricht – der schnelle Verkauf
- Ein Anleger kauft morgens 1.000 Aktien des Unternehmens U. Der Trade ist ausgeführt, aber noch nicht abgewickelt.
- Am Nachmittag veröffentlicht das Unternehmen U eine negative Ad-hoc-Meldung.
Abwicklung als zentrale Operation im Finanzsystem
- das Ausfallrisiko zwischen Instituten,
- der Bedarf an Sicherheiten,
- sowie der Kapitalaufwand im Hintergrund.
Das „EU T+1 Industry Committee“
Koordinationszentrale: Damit die Reform gelingt, ist eine „Koordinationszentrale“ notwendig. Hier kommt, wie bereits erwähnt, das „EU T+1 Industry Committee“ ins Spiel. Es handelt sich um ein branchenweites Gremium aus:- Banken und Börsen,
- Zentralverwahrern (CSDs),
- Clearinghäusern (CCPs),
- Vermögensverwaltern und und technischen Dienstleistern.
- Empfehlungen für technische Anpassungen,
- Änderungen bei Handels- und Annahmezeiten,
- Anforderungen an Automatisierung und Datenqualität,
- Hinweise auf mögliche Risiken.
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Die größten Herausforderungen für die Marktteilnehmer
Banken, Verwahrer und Börsen müssen ihre Abläufe als tiefgreifend verändern. Die wichtigsten Baustellen: -
Tägliche Abstimmung (Matching): Die Akteuere haben weniger Zeit für die tägliche Abstimmung (Matching). Aktuell bleibt ihnen oft ein ganzer Tag, um Trades abzugleichen. Mit T+1 muss alles am selben Tag passieren.
- Währungsumtausch als Nadelöhr: Bei internationalen Geschäften muss häufig parallel ein FX-Geschäft (Foreign Exchange) abgewickelt werden – auch in anderen Zeitzonen. Mit T+1 wird dies das extrem eng.
- Prozessbeschleunigung: Fonds müssen künftig als eigene Prozesse beschleunigen, wie etwa Bewertungen, Orderannahme, Cash-Management müssen früher erfolgen.
- Komplexere Corporate Actions: Maßnahmen oder Ereignisse eines Unternehmens, die Auswirkungen auf seine Aktien oder andere Wertpapiere haben, wie etwa Anleihen, Dividenden, Kapitalerhöhungen oder Bezugsrechte, hängen vom Abwicklungszeitpunkt ab. Wenn dieser sich verschiebt, muss die gesamte Logik angepasst werden.
- Anspruchsvolleres Liquiditätsmanagement: Banken müssen Wertpapiere und Geld einen Tag früher bereitstellen.
- Wertpapierleihe wird kritischer: Viele Banken nutzen die Wertpapierleihe oder das „Securities Lending“, um kurzfristige Engpässe zu überbrücken. Darunter ist das vorübergehende Ausleihen von Aktien, Anleihen oder ETFs zwischen zwei Parteien zu verstehen. Muss eine Bank Wertpapiere liefern, die sie aber noch nicht physisch im Bestand hat, leiht sie sich die fehlenden Papiere. Damit verhindert sie ihrerseits eine verspätete Lieferung (Settlement Fail). Für T+1 bleibt hierfür weniger Zeit.
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Internationale Abstimmung: Die USA haben schon auf T+1 umgestellt, Großbritannien und die Schweiz planen ähnliche Schritte. Die EU muss sich daher mit mehreren Zeithorizonten synchronisieren.
Warum die BaFin zur Teilnahme an der Erhebung aufruft
Die BaFin bittet Finanzinstitute, an der europaweiten T+1-Bereitschaftserhebung teilzunehmen, um bei der Ermittlung folgender Sachverhalte mitzuwirken:- Wer ist vorbereitet?
- Wo drohen Engpässe?
- Welche Systeme sind noch umzustellen?
- Welche Marktsegmente haben Probleme?
Fazit und Ausblick
Quellen:
- Online-Ausgabe der BaFin vom 24.11.2025
- Online-Ausgabe ESMA: Verkürzung des Abwicklungszyklus auf T+1 in der EU
Herausgegeben von: Anja Albert, Manfred Bitterwolf, Frank A. Brogl, Dr. Holger Mielk |
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(ESV / Bernd Preiß)